FC Viktoria verpasst gegen Hamburg das Wunder

Jule Reh tröstet Marlies Sänger nach der Niederlage gegen Hamburg auf dem Rasen des Stadions Lichterfelde. Vor ihnen liegt Aylin Yaren mit den Armen über dem Kopf. Foto: Kai Heuser (@heuserkampf)
  • 19. Juni 2023
  • Nina Potzel
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Der Traum ist vorerst geplatzt: Im Rückspiel der Relegation um den Aufstieg in die 2. Bundesliga unterliegt der FC Viktoria Berlin dem Hamburger SV mit 1:3. Trotz einer engagierten Leistung hat es nicht für das Wunder von einem Sieg mit vier Toren Unterschied gereicht.

Zuschauer*innenrekord im Berliner Frauenfußball

Im Stadion Lichterfelde kamen am Sonntagabend 3.600 Zuschauer*innnen zusammen, um die Himmelblauen zu unterstützen. Damit war nicht nur das freigegebene Kontingent ausverkauft, die Zahl bedeutete auch einen Rekord im Stadion Lichterfelde. Noch nie sahen dort so viele Menschen ein Viktoria-Spiel – weder bei den Frauen, noch bei den Männern.

Die Partie begann wie schon im Hinspiel mit einem starken HSV. Die Hamburgerinnen lehnten sich keineswegs zurück und verwalteten den 3:0-Sieg aus dem Hinspiel. Schon in der zweiten Spielminute hatten sie die Chance auf den ersten Treffer. Doch Inga Buchholz im Tor der Viktoria rettete den Ball gerade so auf der Linie. Knapp zehn Minuten später konnte sie jedoch nichts tun: Larissa Mühlhaus verwandelte einen Freistoß direkt ins obere rechte Eck zum 1:0 für Hamburg (11.).

Viktoria bemüht sich, Hamburg hat Platz

Statt betrübt zu sein angesichts der nun fünf Tore, die es für einen Aufstieg brauchte, arbeiteten die Viktoria-Spielerinnen mutig nach vorn. Einige Ungenauigkeiten bestimmten aber das Spiel, so flankte beispielsweise Louise Trapp von der rechten Grundlinie nicht etwa zu einer Mitspielerin, sondern ins Aus (17.). Im Gegenzug zeigte sich, dass der HSV zu viel Platz hatte. Die insgesamt sehr starke Carla Morich schickte den Ball rechts raus zu Jobina Lahr, die viel Rasen vor sich hatte. Nach einer Hereingabe ins Zentrum konnte Buchholz jedoch klären (18.).

Die Hamburgerinnen schoben hoch, Viktoria zeigte sich bissig in den Zweikämpfen. Insgesamt entwickelte sich das Spiel recht zerfahren, Viktoria kam kaum durch die starke Hamburger Defensive. Nach einer halben Stunde setzte Aylin Yaren jedoch zu einem Ausrufezeichen an: Geschickt lupfte sie die Kugel über Hamburgs Torhüterin Lela Naward – statt ins Tor ging dieser Versuch aber knapp links vorbei (30.). Etwas später setzte Anina Sange einen Distanzschuss aus die Latte (40.). Viktoria wollte den Ausgleich unbedingt vor der Halbzeitpause, schickte Yaren, Selina Grosch und Marlies Sänger gen Tor (41., 45.), doch es nützte nichts.

Wie in Hamburg: Viktoria nach Seitenwechsel stärker

Kurz nach Wiederanpfiff gab es mit einem Schuss Svea Stoldts an Bucholz’ Außennetz einen kurzen Aufreger, dann zeigte Viktoria jedoch ihre Stärke. Sänger war nun deutlich offensiver, sowohl links als auch rechts zu finden. Vanessa Lux traf die Latte, von wo der Ball auf die Torlinie prallte und den Zuschauer*innen einen Aufschrei entlockte (52.). Im Anschluss schoss Maja Wasiak ans linke Außennetz. Bis es zum Tor kam, dauerte es jedoch eine Weile. In der 68. Spielminute pfiff Schiedsrichterin Miriam Schwermer, die insgesamt keiner klaren Linie folgte, auf Strafstoß für Viktoria Berlin. Yaren trat an – und verwandelte souverän zum 1:1 Ausgleich (69.).

Doch in der Folge wurde der HSV wieder stärker. Sänger musste eine enorm gute Grätsche auspacken, Buchholz mehrmals stark reagieren und klären (76., 77., 85.). Bis in die Schlussphase wurde das Spiel immer fahriger, es ging hin und her. Margareta Lorenz verpasste per Kopf das 2:1 für Viktoria knapp (88.) – und dann ging es für die Berlinerinnen richtig schief. Die eingewechselte Irma Schittek machte erst das zweite Tor für den HSV (89.), um in der Nachspielzeit auch noch auf 3:1 für Hamburg zu erhöhen (90.+3).

Das bedeutet für den HSV den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Die Hamburgerinnen kehren damit nach elf Jahren auf die Bundesebene zurück.

Tolle Saison, trotz verpasstem Aufstieg

Für die Viktoria geht es nun in die wohlverdiente Sommerpause. Neben dem sportlichem Erfolg mit 23 Siegen und nur drei Niederlagen in der Regionalliga Nordost, 151 geschossenen Toren und der Meisterschaft sowie dem Pokalsieg, ist auch neben dem Platz viel zu feiern. Zuschauer*innenrekorde, eine LED-Anzeigetafel und vor allem deutlich mehr Sichtbarkeit für den Fußball der Frauen lassen sich genauso gut sehen.

Zwischen dem 12. und 14. August geht es im DFB-Pokal in der ersten Runde weiter mit der Pflichtspielsaison. Der erste Spieltag der Regionalliga Nordost wird in der Folgewoche am 19. oder 20. August angepfiffen.

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