Viktoria-Geschäftsführer Jaekel über Stand der Planungen und die Stadion-Problematik

  • 2. April 2021
  • FC Viktoria 1889 Berlin
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Am Mittwoch vergangener Woche trafen sich Vertreter der 20 Klubs zur Video-Konferenz mit dem NOFV-Spielausschuss und sprachen sich dafür aus, die Saison 2020/21 der Regionalliga Nordost aufgrund der weiterhin angespannten Corona-Situation abzubrechen. Das Verbandspräsidium tagt dazu am 16. April – und will dann auch Entscheidungen über Auf- und Absteiger bekanntgeben. Peer Jaekel, Geschäftsführer des FC Viktoria 1899, spricht über den aktuellen Stand der Planungen und die Stadion-Problematik.

Herr Jaekel, die Vereine der Regionalliga Nordost haben sich geschlossen dafür ausgesprochen, den FC Viktoria 1889 bei einem vorzeitigen Ende der Spielzeit als Meister und Aufsteiger in die 3. Liga zu benennen. Im Interview mit dem „Kicker“ haben Sie jedoch betont, dass Sie sich schwertun würden, Glückwünsche entgegenzunehmen. Warum?

Peer Jaekel: Wir wollen der Entscheidung des NOFV nicht vorgreifen und warten geduldig darauf, welche Beschlüsse verabschiedet werden. Natürlich freuen wir uns darüber, dass das Meinungsbild innerhalb der Liga so eindeutig ausgefallen ist. Das ist ein Beleg dafür, dass auch die Mitbewerber die herausragende Leistung unserer Mannschaft in bisherigen Saisonverlauf respektieren.

Der FC Viktoria 1889 konnte nur elf Spiele absolvieren. Würde das aus Ihrer Sicht den Wert eines Aufstiegs schmählern?

Nein, ganz und gar nicht. Wir sind unverschuldet in diese Situation geraten, die Pandemie hat uns ebenso wie alle anderen Klubs im Griff. Trotz unseres großen Vorsprungs haben wir immer wieder betont, dass es unser Wunsch ist, den Spielbetrieb fortzusetzen, uns dem Wettkampf zu stellen. Unser Team hat alle Spiele gewonnen – und wir wären gern angetreten, um die Serie fortzusetzen.

Der Meister der Regionalliga Nordost steigt in diesem Sommer direkt in die 3. Liga auf. Alles spricht dafür, dass der NOFV die Himmelblauen meldet. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Wir haben in den beiden vergangenen Jahren hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen. Die Planungen liefen zuletzt zweigleisig, mit dem klaren Fokus darauf, auch eine Klasse höher gerüstet zu sein. Ich denke, das ist uns bei der Zusammenstellung des Trainerteams und des Kaders sehr gut gelungen. Sportlich müssen wir daher nur noch an der einen oder anderen Schraube drehen.

Ein großes Problem stellt jedoch die Infrastruktur dar. Stichwort Stadion

Das ist leider richtig. Wir haben die Lizenzunterlagen fristgerecht beim DFB eingereicht, müssen aber die Frage der Spielstätte möglichst zeitnah lösen. Das bereitet uns derzeit Bauchschmerzen, weil es natürlich unser Wunsch ist, Berlin nicht nur in der 3. Liga zu repräsentieren, sondern auch vor der Viktoria-Familie und den Berliner Fans aufzulaufen. Alles andere wäre ein Wettbewerbs-Nachteil und sehr traurig für unsere Mannschaft sowie ihre Anhänger.

Wie stehen denn die Chancen, dass weiter in Lichterfelde gespielt wird?

Das ist unsere Heimat! Wenn die Möglichkeit bestünde, würden wir sie aus vollem Herzen ergreifen. Aufgrund des aktuellen Zustands ist es aber ausgeschlossen, dass uns der DFB die Genehmigung uneingeschränkt erteilt. Da müssten bauliche Maßnahmen in einem erheblichen Ausmaß umgesetzt werden, doch der bestehende Denkmalschutz erschwert dies erheblich. Das zwingt uns dazu, einige andere Optionen zu prüfen.

Es wurden zuletzt verschiedene Alternativen genannt. Wie sieht’s mit dem Mommsenstadion aus?

Wir befinden uns in guten und konstruktiven Gesprächen mit dem Eigentümer sowie den aktuellen Nutzern. Dafür sind wir sehr dankbar. Allerdings stellt es sich auch hier so dar, dass es einen Kraftakt bedeuten würde, das Stadion in der Kürze der Zeit für die 3. Liga tauglich zu machen. Hinzu kommt, dass die Durchführung unserer Heimspiele erhebliche Vor- und Nachbereitung bedeute.

An den Jahn-Sportpark haben Verantwortliche und Fans der Himmelblauen gute Erinnerungen …

… das Stadion steht – Stand heute – aber nicht zur Verfügung. Sicherlich würde der Jahn-Sportpark den Ansprüchen gerecht werden, da etliche DFB-Pokalspiele dort ausgetragen wurden und die Anlage dem Verband mit ihrem Charme, aber auch ihren Mängeln bekannt ist. Der große Haken: Die Betriebserlaubnis ist Ende 2020 ausgelaufen, nachdem der Neubau geplant war. Die Pläne liegen ja bekanntlich auf Eis.

Mit Hertha BSC und dem 1. FC Union gibt es zwei Berliner Erstligisten – mit tollen Arenen. Könnte der FC Viktoria 1889 im Olympiastadion oder An der Alten Försterei als Untermieter einziehen?

Das könnten wir uns zwar sehr gut vorstellen, ist aber leider nicht realistisch. Im Olympiastadion zu spielen, lässt sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ohne Subventionen dauerhaft nicht realisieren. Das wäre utopisch. Wir führen dennoch Gespräche über eine vorübergehende Nutzung, sind aber darauf angewiesen, dass uns die Betreiber weit entgegenkommen müssten. An der Alten Försterei ist eine Nutzung durch den FC Viktoria 1889 in der kommenden Saison nicht möglich.

Das klingt nicht so, als gäbe es einen Königsweg für die Lösung der Stadion-Frage. Haben Sie noch eine Idee?

Wir beschäftigen uns mit der Möglichkeit, mittelfristig gemeinsam mit der Stadt ein temporäres Stadion zu bauen, in dem wir unsere Heimspiele austragen könnten und andere Nutzer zudem Willkommen sein sollen. Doch dafür müsste uns das Land Berlin eine ausreichend große Fläche zur Verfügung stellen und uns bei diesem Projekt zur Seite stehen.

Ansonsten könnte der FC Viktoria 1889 außerhalb Berlins spielen.

Wir sind leider gezwungen, uns auch mit diesem Szenario zu beschäftigen und entsprechende Gespräche zu führen. Wenn es dazu kommen sollte, wäre das allerdings ein Armutszeugnis für das Land und den Fußball-Standort Berlin. Der FC Viktoria 1889 braucht eine schnelle Lösung, aber ohnehin sollte es im Interesse aller Beteiligten sein, dass es in der Hauptstadt ein weiteres zeitgemäßes Stadion gibt. Schließlich werden in der Regionalliga Nordost auch kommende Saison wieder Klubs dabei sein, die das Ziel haben, in die 3. Liga aufzusteigen.

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