„Unser Weg ist klar definiert“ – Sportdirektor Rocco Teichmann und Geschäftsführer Peer Jaekel im Interview

  • 24. Mai 2022
  • Vera Krings
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Mit Ende der Saison 2021/22 verlängert Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann seinen Vertrag bei den Himmelblauen um zwei Jahre. Dem bitteren Abstieg aus der 3. Liga und dem darauffolgenden versöhnlichen Saisonabschluss in Form des Berliner Pokalsiegs und damit verbundener Teilnahme an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals folgte eine eingehende Saisonanalyse, die auch die Vertragsverlängerung des 36-Jährigen beinhaltete.

Im Interview sprechen Rocco Teichmann und Viktoria Berlins Geschäftsführer Peer Jaekel über die Zukunft des Vereins, die Gestaltung und Schwerpunkte der Regionalliga-Saison 2022/23 und die Erkenntnisse aus der vergangenen Drittliga-Spielzeit.

Rocco Teichmann und Peer Jaekel über …

…die sportliche Situation des Klubs.

Teichmann: „Der Abstieg und der damit verbundene Gang in die Regionalliga bedeutet für uns natürlich einen Umbruch im Verein. Nichtsdestotrotz befinden wir uns sportlich gesehen in keiner prekären Lage. Unsere U17- und unsere U19-Mannschaft spielen, obwohl wir über noch kein Leistungszentrum verfügen, weiterhin in den Junioren-Bundesligen. Die U19 hatte das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte. Unser Frauen-Team hat die Aufstiegsspiele zur 2. Frauen-Bundesliga in diesem Jahr nur knapp verpasst und eine ordentliche Regionalliga-Saison gespielt. Sie stehen gegen den Tabellenzweiten Türkiyemspor noch im Pokalfinale. Wir wollen uns auf dieser sportlichen Grundlage weiterentwickeln, sind nach wie vor eine Top-Adresse im Berliner Fußball. Die sportliche Basis für den Weg in den Profifußball ist vorhanden.“

Jaekel: „Uns war bewusst, dass es in dieser Saison sportlich in erster Linie darum ging, um den Klassenerhalt zu kämpfen. Den Kampf haben wir leider verloren, aber mit dem Pokalsieg am vergangenen Samstag haben wir uns eindrucksvoll zurückgemeldet. Wir haben den Leistungsfußball in unserem Verein in den vergangenen Jahren sehr professionell vorangetrieben und da wollen wir auch in Zukunft anknüpfen. Eine sportliche und leistungsorientierte Weiterentwicklung des Jugendbereichs und die Rückkehr in den Profifußball mit unserer Männermannschaft ist das klare Ziel. Alles unter der Vorgabe, organisch wachsen zu wollen – in allen Bereichen.“

…die Kaderplanung für die Regionalliga.

Teichmann: „Viele Verträge in unserem Drittliga-Kader laufen aufgrund des Abstiegs aus und können auch nicht verlängert werden. Einige Spieler, die uns in der vergangenen Saison begleitet haben, verfügen über einen gültigen Vertrag. Dazu gehören unter anderem Moritz Seiffert, Enes Küc, Jakob Lewald und Tobias Gunte. Derzeit planen wir mit ihnen auch für die kommende Saison, wissen aber auch um ihre Begehrtheit. Wir können auch aus dem Talente-Pool unserer U19-Mannschaft schöpfen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns aktuell natürlich intensiv mit der Zusammensetzung des Trainer-Teams. Wir haben uns vor dem Pokalfinale entschieden, die Zusammenarbeit mit Farat Toku nicht zu verlängern und einen neuen Weg zu gehen.“

Jaekel: „Die Kaderplanung für die Regionalliga ist ganz anders als in der 3. Liga. Wir wollen vorrangig Berliner Talente in den Fokus rücken, verstehen uns aber nach wie vor als Ausbildungsverein, der den Weg in den Profifußball mitgestalten und ebnen kann. Langfristig wollen wir Spielern weiterhin eine gute Plattform bieten, um sich weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu machen. Hier schauen wir primär auf Berliner und unsere eigenen Spieler aus dem Nachwuchs, die uns verstärken und positiv zu unserer Entwicklung beitragen können.“

…die Rahmenbedingungen für die kommende Saison.

Teichmann: „Sobald Kader und Trainer-Team stehen, haben wir die ersten wichtigen Bedingungen für den Saisonstart in der Regionalliga Nordost geschaffen. Wir starten am 20. Juni 2022 mit unserer Saisonvorbereitung. Der Sommerfahrplan ist bereits seit Längerem in Planung.“

Jaekel: „Wir werden unsere Heimspiele in der kommenden Saison weiterhin im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark austragen. Im Rahmen der Ertüchtigung dieser Spielstätte für die 3. Liga haben wir einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Das Stadion bietet infrastrukturell die besten Bedingungen für uns.“

…die Erkenntnisse aus der Drittliga-Saison.

Teichmann: „Die Spielzeit in der 3. Liga hat uns vieles gelehrt. Wir mussten erkennen, dass es hinsichtlich Vermarktung und Vereinsinfrastruktur noch Nachholbedarf gegenüber anderen Vereinen dieser Liga gibt. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen wir an diesen Nachteilen arbeiten. Wir haben die Saison eingehend analysiert und wollen zurück in den Profifußball. Dafür müssen wir in den kommenden Monaten die Basis und die Stabilität schaffen. Unser Weg ist klar definiert. Nichtsdestotrotz sind wir stolz auf das, was wir erreicht haben.“

Jaekel: „Der Aufstieg in die 3. Liga kam nahezu aus dem Nichts. Zeit für wichtige Aufbauarbeit innerhalb des Vereins gab es nicht. Hinzu kam die lange und intensive Suche nach einem drittligatauglichen Stadion und der anschließenden aufreibenden Ertüchtigung des Jahn-Sportparks. Wir hatten leider nicht die Möglichkeit, in allen Bereichen gleichmäßig zu wachsen und optimale Profifußball-Bedingungen zu schaffen. Die Rückkehr in die 3. Liga ist unser klares Ziel, doch die Voraussetzungen dafür stehen jetzt an erster Stelle.“

Gesellschafter Zeljko Karajica bleibt Viktoria Berlin indes erhalten, wird den Verein beim Ausbau der vorhandenen Strukturen weiterhin unterstützen: „Wir haben mit Viktoria Berlin bis hierhin eine tolle Geschichte geschrieben und sie endet nicht mit einem Abstieg. Wir sind im Sport: Rückschläge oder einen Abstieg muss man immer einkalkulieren. Alles andere wäre fahrlässig. Wir glauben nach wie vor an das Geschäftsmodell Viktoria Berlin und an den Weg, den wir mit diesem Klub eingeschlagen haben. Der Verein birgt ein Riesenpotential. Das gilt es auszuschöpfen und den Klub weiter zu professionalisieren. Dabei gehen wir den nachhaltigen Weg und nicht den des schnellen Erfolgs. Wir werden weiterhin und jetzt erst recht auf unseren eigenen starken Nachwuchs setzen.“

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